Goethe

 

Johann Wolfgang von Goethe, geadelt 1782 (* 28. August 1749 in Frankfurt am Main; † 22. März 1832 in Weimar). Er gilt als der bedeutendste deutsche Dichter und herausragende Persönlichkeit der Weltliteratur.

 

 

 

 

Was hat Goethe mit Exten zu tun ?

GoetheAm 20. November 2008 erreichte uns die Mitteilung von Dr. Richard Hüttel vom Museum der bildenden Künste Leipzig (Link), dass unter der Inventar-Nr. I. 8199r eine Goethe-Zeichnung katalogisiert ist, die Freiherr Johann Wolfgang von Goethe um 1783 herum in Exten gemalt hat.

Dr. Hüttel ist dort im Museum Leiter der Graphischen Sammlung, und war über die Internetseite des Heimatvereines mit der Frage an uns herangetreten: "An welchem Teil der Exter kann Goethe dieses Bild gezeichnet haben?" Im Zuge einer genauen Recherche war Hüttel überhaupt erst auf Exten als Ort gekommen. Bis vor kurzem war der dargestellte Ort auf dem Bild völlig unklar. Die Vorbereitung auf die Ausstellung "Erleuchtung der Welt" zum 600. Geburtstag der Universität Leipzig brachten den Stein ins rollen. Die Zeichnung sollte im Zuge der Ausstellung gezeigt werden und kam so in den Fokus der Recherche.

Es handelt sich um eine Bleistiftzeichnung in der Größe von 11,5 x 18,8 cm, die anschließend monochrom ausgetuscht ist. Zu erkennen ist im Vordergrund der Flusslauf der Exter mit einer Wasserschwelle. Die Fließrichtung ist von links nach rechts. Die Uferböschungen sind flach, teilweise erkennt man große Steine. Des Weiteren ist eine Wiese mit Bäumen abgebildet sowie die schemenhaften Konturen von Gebäuden, die teilweise durch die Bäume verdeckt werden und den Hintergrund des Bildes ausmachen. Gefasst ist das Bild in einer markanten grün getuschten Umrahmung.

Was macht uns sicher, dass das Bild in Exten gemalt wurde und auch tatsächlich den Flusslauf der Exter zeigt?

Auf dem Bild erkennen Dr. Hüttel und Restauratorin Bettina Kosel die Buchstaben Ex und en. Der Buchstabe in der Mitte ist nicht zu entziffern. Aufschluß gibt aber Goethe selbst. Goethe hat in tagebuchähnlichen Aufzeichnungen zahlreiche Briefe an Freunde und Bekannte geschrieben. In einem dieser Briefe von Ende Oktober 1783 an seine langjährige Freundin Charlotte von Stein schreibt er folgende Zeilen:

„Deine Freude freut mich über die masen, und ich dancke dir für die gute Aufnahme des Bildes. Hier schick ich die Zeichnung von Exten. Heute fand ich sie und habe sie getuscht. Ziehe ein Rähmgen darum nur nimm dich mit dem Grün in acht. Wenn du von der Herzoginn kommst so schreibe mir wie es heute Abend werden soll. Ich komme gerne und ich dencke ein wenig Bewegung ist mir gut.“

GoetheEs ist historisch belegt, dass Goethe in der Jahren 1776 bis 1784 mehrfach Reisen in den Harz, sowie in den Raum Göttingen und Kassel unternommen hat. Er war mit vielen Künstlern, Wissenschaftlern, Gelehrten und Politikern seiner Zeit befreundet. So auch mit Johann Gottfried Herder, der in der Zeit von 1771 – 1776 als Hofprediger in Bückeburg tätig war. Goethe hat ihn dort besucht. Ebenfalls hat Goethe um 1779 herum Isabella von Wartensleben im Rittergut in Exten besucht. Diesen Besuch hat er schriftlich aus Kassel am 15.09.1779 angekündigt. "Die Gräfin Wartensleben will ich besuchen. Adieu" schrieb Goethe damals an Charlotte von Stein. Die beiden Damen waren befreundet.

Charlotte Wilhelmine Isabella von Wartensleben (1743-1811) war eine geborene zu Lynar. Sie war Tochter des Grafen Rochus Friedrich zu Lynar, seit 1765 verheiratet mit dem Feldmarschalleutnant Graf Friedrich Leopold von Wartensleben, 1770 verwitwet. Sie war Mutter von Graf Karl Friedrich Gideon von Wartensleben.

 

ExtenVielleicht finden sich unter den Unterlagen des Rittergutes aus dem von Wartensleben'schen Nachlass hier noch genauere Erkenntnisse. Erst Jahre später fand Goethe die Zeichnung wieder und schenkte sie Charlotte von Stein. Später gelangte die Zeichnung in die Sammlung des Kunsthistorikers Heinrich Brockhaus. Danach als Geschenk in den Besitz des Museums Leipzig. Doch wo ist der Standort des Bildes? Diese Frage haben sich auch einige Mitglieder des Heimatvereins Exten gestellt.

ExtenUm Goethes Spuren in Exten nachzugehen, haben sich einige Interessierte, darunter Guido Schaper, Bernd Kirchhoff und Christoph Ehleben, zunächst in alten Flurkarten einen groben Überblick verschafft. In der Zeit um 1779 gab es nur vielleicht 50 Gebäude in Exten. Deren Lage grenzt die Bildszene räumlich ein. ExtenIn einer Begehung des Exterlaufes wurde schließlich unter Berücksichtigung der abgebildeten Fließrichtung und der markanten Wasserschwelle ein kleiner Abschnitt ausgemacht, der in die Bildszene passen könnte. Natürlich hat sich die Bebauung in 225 Jahren stark verändert, maßgeblich sind jedoch die markanten Gebäude, die zu der Zeit mit Sicherheit vorhanden waren. Das waren der Harrank, der ein Nebengebäude des Rittergutes war und die Anlage der Koch’schen Mühle. Steht man also am östlichen Ufer der Exter, sieht man deutlich die natürliche Wasserschwelle im Flusslauf und blickt  man auf das gegenüberliegende flache Ufer, sieht man in einiger Entfernung den Harrank (heute weitestgehend verbaut). Rechts begrenzen die Gebäude der Koch’schen Mühlenanlage das Blickfeld.

Am 16.01.2009 erscheint in der Leipziger Volkszeitung ein Bericht im Ressort Kultur mit der Überschrift: "Die einzige Goethe-Zeichnung des Bildermuseums entstand im niedersächsischen Exten". Dort wird die spannende Suche nach der "Geschichte hinter dem Bild" durch Dr Hüttel und den Heimatverein Exten genau dargestellt.

Eine großformatige Kopie dieser für Exten einzigartigen Zeichnung kann demnächst in der Heimatstube besichtigt werden.