Helga Heim, Ursel Brinkmann und Vera Reimer (v. li.) haben bei den Dreharbeiten zu „Und ewig blüht die Liebe“ selber zugeschaut. Willi Mohrmann, Initiator des Kinoabends, war damals noch ein kleiner Junge. Foto: who

EXTEN. „Und ewig bleibt die Liebe“ heißt der betuliche Heimatfilm mit Happy-End, der 1954 unter anderem in Exten und auf Gut Dankersen gedreht wurde. Die Produktion mit damals bekannten Schauspieler-Größen wie Karlheinz Böhm, Ulla Jacobsson und Günther Lüders traf den Nerv der Nachkriegszeit, als die Menschen sich ganz besonders nach heiler Welt sehnten. Der Heimatverein Exten besitzt eine (DVD)-Kopie des Streifens, der bei der Vorführung im Dorfgemeinschaftshaus etlichen Zuschauern ein Wiedersehen mit ihrer Jugend beziehungsweise Kindheit brachte. Hintergrund: Der Film zeigt zum Beispiel den ehemaligen Bahnhof der Extertalbahn und – was noch wichtiger ist – etliche Extener sowie Leute aus den Nachbarorten, die damals als Komparsen mitgewirkt haben.

 

Und irgendwie war das Kinoerlebnis im Jahr 2016 fast so wie damals in den 1950er Jahren. Reguläre Kinos gab's damals nur in Städten, in den Dörfern wurden Gaststuben und Wirtshaussäle vorübergehend für Filmvorführungen an den Wochenenden umgerüstet. Bei Bier, Koteletts, Buletten, Soleiern und Schmalzbroten hatte diese Art Vergnügen sogar Ähnlichkeiten mit dem heutigen Servicekino. Nur besaß diese frühe Variante gegenüber dem „Plagiat“ im 21. Jahrhundert auf der kommunikativen Ebene einige Vorzüge. Ging man doch hauptsächlich ins Kneipenkino, um sich zu unterhalten (auch im Sinne des Wortes). Somit folgte auch der Abend mit Karlheinz Böhm, Ulla Jacobsson, Günther Lüders, Magda Schneider, Paul Dahlke & Co. dem Kino-Erlebensgefühl der 1950er Jahre. In der Pause (als Zugeständnis für diejenigen, die das Wiedersehen mit den Altstars ohne Nebengeräusche genießen wollten) gab es Bier und andere Getränke und heiße Würstchen. Aber während das Geschehen auf der Leinwand dem Happy-End zusteuerte (damals ein Muss), machte dennoch so manches nicht unterdrückte „Den/Die habe ich auch gesehen“ und „Ich weiss noch, wie sie das gefilmt haben“, die Runde. Denn schon in der Auftakt-Szenerie mit der Ankunft der Hauptdarstellerin Ulla Jacobsson im Bummelzug ist am Bahnhofsgebäude deutlich der Stationsname Exten zu lesen. Und im Kutscher des Pferdefuhrwerks, der von der heutigen Braas-straße her kommend in Richtung Berenstraße durchs Bild zuckelt, den eigenen Onkel als jungen Mann zu erkennen, das war letztlich auch für den Berichterstatter – damals keine zwei Jahre alt – ein berührender Moment. Näher dran am Dreh-Geschehen (auf Neudeutsch heißt es „am Set“) waren Anno 1954 Helga Hein, Ursel Brinkmann und Vera Reimer. Die Augen- und Zeitzeuginnen haben einige Male bei Dreharbeiten in Exten und auf Gut Dankersen zugeschaut. „Ich mochte die Ulla Jacobsson so gerne. Deswegen bin ich zum Bahnhof gefahren“, erinnert sich Helga Heim an das „Film-Abenteuer“ in ihrer Jugend. Einige Jahre älter waren damals schon Ursel Brinkmann und Vera Reimer. Die Schwestern können heute davon erzählen, wie sie zum Gut Dankersen geradelt sind, um einen Blick auf die Hauptdarsteller zu erhaschen. Und ganz nah sei sie mehrmals sogar Günther Lüders gekommen, berichtete Ursel Brinkmann, während sich das Publikum nach der Pause zur zweiten Kino-Halbzeit wieder an den Tischen zusammenfand. „Ich habe damals im Friseurgeschäft Waltemathe gearbeitet, und da habe ich ihn (Lüders) rasiert.“

06.12.2016

Autor
Werner Hoppe Reporter